Frühere Berufswahlforschungen in Arbeitsmärkten mit annähernder Vollbeschäftigung kamen im Wege der Exploration (Jaide) oder mit demoskopisch-mathematischen Verfahren (Brauns*) zu Ergebnissen beruflicher Fehlleitungen von 35% der Probanden. Ein gutes Drittel der Berufsanfänger (*u.a. der Unternehmen Volkswagen AG, Continental, Pelikan, etc.) hatten nach ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten und Neigungen einen falschen oder zumindest aber ungeeigneten Beruf im Hinblick auf eine spätere Berufs- und Lebenszufriedenheit ergriffen.

Ursächlich für diese Entscheidungen waren falsche Beratungen und Hinweise durch Schulen, Arbeitsagenturen und dem sozialen Umfeld der Berufsanfänger, einem Personenkreis also, der keinerlei authentische Beziehung zur Arbeits- und Wirtschaftwelt hatte. Beamte oder Lehrer sprechen hier über Zusammenhänge, die sie gar nicht kennen können, weil sie sie weder erlernt noch ausgeübt haben. Und sie diskriminieren damit ganze Menschen- und Berufsgruppen. Früher lag ihr Verdienst darin, dass sie Kindern und Heranwachsenden die Kulturtechniken beibrachten, was heutzutage nur noch zum Teil gelingt (PISA). Unternehmen beklagen zunehmend, dass Schulabgänger nicht ausbildungsfähig sind.

Heute, im Anblick hoher Arbeitslosigkeit in Zentraleuropa, ist die Berufswahl nicht mehr durch Wahlfreiheit gekennzeichnet, sondern eher durch das Erfordernis, ein bestehendes Ausbildungsangebot zu nutzen. Was die Ratgeber aus der Vergangenheit anbelangt, so sind sie noch immer aktiv. Sie raten heute nicht nur zu Berufsfeldern ihrer Präferenz, sondern raten gar von ganzen Berufsgruppen aus Technik und Wirtschaft ab. Dies gilt für die Berufsausbildung ebenso wie für das angestrebte Studienfach an einer Hochschule. Die volkswirtschaftlichen Konsequenzen liest man regelmäßig in den Medien. Hier können ideologische Gründe die Ursache sein, die nicht rasch umzukehren sind, insbesondere wenn sie schon in den Schulen den Unterricht beeinflussen.

Nimmt man die größte Volkswirtschaft der EU, nämlich Deutschland, als ein Beispiel, so sind Abbrüche von Ausbildungsverhältnissen aus den genannten Gründen besorgniserregend hoch. Studienabbrecher an Hochschulen erreichen leicht 40%, in den Geisteswissenschaften oft sogar bis zu 70%. Die Berufsaussichten von Hochschulabsolventen sind selten befriedigend, es sei denn, es handelt sind um Ingenieure und Naturwissenschaftler. Um hier aus der Perspektive von Berufs- und Studienbeginnern gegenzusteuern, kann sich bei ständig ändernden Berufsbildern und einem rasant steigenden Verfallszeiten des Wissens eine private duale Berufsbildungskonzeption als hilfreich erweisen. Wir meinen damit die Kombination aus einer hergebrachten Berufsausbildung mit begleitenden Fern-/Präsenzstudien. Wie die Berufsausbildung zu einem anerkannten Abschluß führt, so sollte dies auch das Begleitstudium, um ein weiteres Anschlußstudium nach einer Berufszeit zu ermöglichen. Berufsanfänger mit Hochschulreife brauchen dann nicht bereuen, ein Universitätsstudium verpasst zu haben. Praktisch könnte das die Erlangung eines britischen foundation degree sein, das nach einem weiteren Jahr Vollzeitstudium zu einem Bachelor (Hons)** führt, der weltweit anerkannt ist und eine Universitätskarriere begründen kann.

Für bereits ausgebildete und Berufstätige ist ein ähnliches Vorgehen ratsam, nur begleiten sich dann Studium und Berufstätigkeit. Diese Form der Fortbildung ist seit langem gebräuchlich und erfolgreich – insbesondere dann, wenn es um die Aktualisierung des Wissens geht. Begünstigt wird das, wenn die Dozenten eine gleichsam akademische und praktische Ausbildung besitzen.

Die Euregio-Hochschule ist mit solchen kombinierten Studien seit ihrer Gründung befasst. Hinzu kommt der Bereich der Anpassungsfortbildung. Er wächst durch die Internationalisierung ständig. Ganze Berufsgruppen, Ärzte oder Makler u.a.m., müssen neue EU-Auflagen erfüllen, um ihre Tätigkeit weiter ausüben zu können, technische Berufe müssen sich an die neuen Techniken aus den USA oder Ostasien – etwa im multi media Bereich – aneignen und an die Verbraucher weitergeben. Ein nächstes Beispiel ist die Globalisierung der Finanzwelt. Es reicht hier nicht aus, über Heuschrecken zu schimpfen, wenn eben diese – etwa in Deutschland – in einem Jahr 64 Milliarden Euro investieren. Kaum ein Politiker weiß noch, wem denn nun die Wohnungsgesellschaft, die Raststätte oder das Klärwerk gehören.

Eine Notwendigkeit in der Wissensvermittlung sind die Einbeziehung neuester Inhalte und vor allem auch von Lehrkräften internationaler Herkunft und Bildung. Die Euregio-Hochschule hat sich in ihren Kooperationen mit anderen Bildungseinrichtungen und Unternehmen regional auf die Euregio Maas-Rhein begrenzt, weil anderes eine oranisatorische Überforderung bedeuten könnte. Eine ihrer Aufgaben wird sein, globales Wissen hier bereitzuhalten und weiterzuentwickeln. Es ist jeder herzlich aufgefordert, daran mitzuwirken.

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zu Anerkennungen im Anhang „Der Bologna-Prozeß“