„Wikipedia“* führt dazu aus:

Vertreter aus 29 europäischen Ländern unterzeichneten am 19. Juni 1999 auf der Grundlage einer Vereinbarung aus dem vorangegangenen Jahr (Sorbonne-Erklärung) eine Absichtserklärung, das europäische Bildungssystem zu harmonisieren. Dieser „Bologna-Prozess“ stellt eine rechtlich unverbindliche Absprache von mittlerweile 45 „europäischen“ Staaten dar, die im Wesentlichen die Mobilität, die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Beschäftigungsfähigkeit fördern soll.

Folgende wichtige Ziele wurden dazu formuliert

Die Schaffung eines Systems vergleichbarer Abschlüsse und die Einführung eines Diplomzusatzes.
Die Schaffung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen (konsekutive Studiengänge, undergraduate/graduate) nach angelsächsischem Vorbild.
In den deutschen Bundesländern sollen sie als Bakkalaureus/Bachelor und Magister/Master umgesetzt werden. (Anm.: Österreich führte Bakkalaureus und Magister ein.)
Die Einführung eines Leistungspunktesystems European Credit Transfer System (ECTS) einschließlich einer Modularisierung.
Die Beseitigung von Mobilitätshemmnissen in räumlicher und kultureller Hinsicht.
Die Förderung der Qualitätsentwicklung der Hochschulausbildung durch Fakultätsentwicklung und Akkreditierung der Studiengänge.
Die Organisation des „Bologna-Prozesses“ regelt die Ministertreffen (2001 in Prag, 2003 in Berlin, 2005 in Bergen, 2007 in London). Ferner arbeitet an den Zielfestlegungen eine Arbeitsgruppe auf europäischer Ebene, die Bologna Follow-Up Group (BFUG) neben nationalen Komitees und nationalen Bologna-Gruppen.

Aufgrund der deutschen Besonderheit (Anm.: Der Staat Bundesrepublik Deutschland besitzt keine Hoheit über die Bildung in seinem Staatsgebiet. Die Bildungshoheit haben 16 Bundesländer inne und praktizieren das unterschiedlich, d.h. Bildungsabschlüsse werden untereinander nicht immer anerkannt – bspw. Bremer Abschlüsse in Bayern etc.) sind an der nationalen deutschen Bologna-Gruppe das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Hochschulrektorenkonferenz, ein nationaler Akkreditierungsrat sowie Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und studentische Vereinigungen beteiligt.

Ebenso so zahlreich wie die Beteiligten ist die Kritik am Bologna-Prozess aus Deutschland.

Bei Wikipedia findet sich dazu:

Befürchtungen von Studierenden und Hochschulen, dass ein verkürztes Studium, zumindest bei Bachelor-Absolventen, zu einem geringeren Qualitätsniveau führen wird.
(Anm.: Die Bachelor – Studiengänge in den Commonwealth Staaten dauern häufig länger als 3 Jahre. In Schottland und Canada grundsätzlich 4, in den USA oft 5 Jahre. Da Lehrveranstaltungen diszipliniert über 40 bis 50 Wochenstunden in kleinen Gruppen stattfinden, ist die Belastung für Studierende etwa dreimal so hoch wie bei deutschen Langzeitstudenten. )

Weiter befürchtet man, dass Bachelor-Absolventen mit Absolventen der Fachschulen – etwa in technischen Fächern, der Medizintechnik oder pharmazeutischen Fächern in Konkurrenz treten. Eine zu geringe Abgrenzung im Wettbewerb um Arbeitsplätze und keine klare Arbeitsmarktqualifizierung werden vermutet. Studentenvertreter bezweifeln, dass Bachelor-Studierende angemessene Beschäftigungsangebote erhalten werden und sprechen sich deutlich gegen eine Zugangsbeschränkung zum Masterstudium aus.
(Anm.: Im Ursprungsherkunftsstaat der Bachelor-Studiengänge – dem Vereinigten Königreich – muß ein Absolvent das Prädikat „Honours“ erlangen, um zu einem Masterstudium zugelassen zu werden. In der Regel nimmt er dieses Studium nach einigen Jahren Berufstätigkeit auf. Die Original Bachelors erkennt man übrigens auch an diesem Zusatz – etwa B Sc (Hons). Da das auch für das ehemalige Commonwealth gilt, haben ein Drittel der Studienabschlüsse weltweit diese Form.)

Weiter wird eine unübersichtliche Vielfalt inhaltlich verschiedener Studiengänge mit gleichem Namen beklagt.
(Anm.: Der benannte B Sc steht für einen Absolventen eines wissenschaftlichen Studienganges. Der Abschluß wird um die Bezeichnung der Wissenschaft – Science – ergänzt, etwa
physics. )

Sehr gering sei die Einführung von Bachelor/Master-Abschlüssen bei Studiengängen mit einer staatlichen Prüfung wie z. B. in Medizin oder Rechtswissenschaft. (Anm.: Sowohl die Medizin als auch die Rechtswissenschaft – zumal die deutsche – sind keine exakten Wissenschaften. In Sachen Medizin dürften die Probleme gering sein, da ihre Kenntnisse und Anwendungen international sind.
Nachstudieren müssen sie nur in einigen Staaten wie etwa den USA, Neuseeland und anderen, die vor Deutschland in der medizinischen Versorgung gelistet durch die WHO rangieren (Platz 27).
Deutsche Ärzte sind überall willkommen. Juristen dagegen kaum. Sie müssen neu studieren.

Anm.:
Für deutsche Studierende wird der Bologna-Prozess mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Europäisierung und Internationalisierung, mehr kulturelle Vielfalt, mehr internationales Wissen mit hoher fremdsprachlicher Kompetenz mit sich bringen. Sie werden davon profitieren. In absehbarer Zeit – und vermutlich über 2010 hinaus – wird es aber dabei bleiben, dass die Absolventen an ausländischen – zumal angelsächsischen Universitäten – nach ihren Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen gemessen werden. Der Schul- bzw. Studienabschluß wird durch Tests egalisiert.

Anm.:
Zur aktuellen Anerkennung deutscher Bachelor-Abschlüsse führt die EU-Kommission 2002 an, dass diese nur anerkannt seien, wenn sie im Ursprungsmitgliedsstaat anerkannt sind.

Anm.:
Es ist oft zu lesen, dass Bachelor-Abschlüsse deutscher Hochschulen „international anerkannt“ seien. Dem ist nicht so. Im Ursprungsland werden sie als „ordinary Bachelors“ eingestuft und können an den meisten Universitäten kein Aufbaustudium aufnehmen. Allerdings können einzelne Universitäten aufgrund ihrer Autonomie auch davon abweichen, wenn der Kandidat besondere Fähigkeiten besitzt. I.d.R. sind das berufspraktische Fähigkeiten, die deutsche Jung-Akademiker vermissen allerdings lassen. Weil es sich dabei um eine Eigenart des staatlichen Bildungssystems handelt, wird man es ihnen nicht nachteilig auslegen.

Anhang
Im Internet findet sich die Liste einer Computergesellschaft aus Darmstadt namens Ifos GmbH, die nach eigenen Angaben mit Unterstützung der Länderkonferenz von Kultusministerien (KMK) die Universitäten und Hochschulen der Welt in anerkannt und nicht anerkannt klassifiziert.

Die EU-Kommission teilt am 5. Januar 2007 mit, „Es obliegt daher dem Mitgliedstaat, Abschlüsse von wissenschaftlichen Hochschulen anzuerkennen, die in ihrem Hoheitsgebiet liegen.“

Für diese Liste besteht also keinerlei Rechtsgrundlage. Sie missachtet vielmehr die Hoheitsrechte anderer EU-Staaten.

Für eigens in und für Deutschland eingerichtete Akkreditierungsagenturen – etwa FIBAA – gilt gleiches. Wie in der Eigendarstellung beschrieben, sollen sie hilfreich bei einer internationalen Anerkennung von Abschlüssen sein. Eine Anerkennung i. S. Europäischen oder internationalen Rechts ersetzen sie nicht.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Urteile des Europäischen Gerichtshofes und des Bundesverwaltungsgerichts, die den Ministerien in Deutschland eine Prüfung der Vergleichbarkeit europäischer Abschlußgrade ausdrücklich untersagen. Nach dieser Rechtsprechung entscheidet allein die betreffende Universität, ob ein Grad oder Titel wissenschaftlich erlangt wurde. Unterstellt wird dabei, dass es sich um eine ordentliche – durch das Herkunftsland anerkannte – Universität handelt und die persönlichen Voraussetzungen des Kandidaten erfüllt sind. Es ist allerdings wenig wahrscheinlich, dass man sich in Deutschland an eigener und/oder europäischer Rechtssprechung orientiert.

(EuGH NVwZ 1993, 661 Tz 38 und EuGH NVzW 1998, 520 sowie BVerwGE 105, 336)

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