Wer erworbenes Wissen in der Praxis anwendet, der weiß, wie schnell dieses Wissen verfällt. Aktuell rechnet man in den Wissensbereichen des Hochtechnologiesektors mit Verfallszeiten von zwei bis vier Jahren und einer Wissensverdoppelung innerhalb von vier Jahren. Den Takt für diese Entwicklung gibt die Praxis vor.

Je praxisferner eine Bildungseinrichtung arbeitet, umso weniger gelingt es ihr, Defizite zu erkennen und mit der Entwicklung Schritt zu halten. Eine hohe Praxisnähe zu erreichen ist nur durch die Einbindung von Berufspraktikern aus Forschungseinrichtungen und forschenden Unternehmen möglich. Solche „Praktiker“ greifen selbstverständlich auch auf eine theoretische Grundausbildung an einer wissenschaftlichen Hochschule oder Universität zurück. Diese Ausbildung befähigt sie, analytisch zu arbeiten, um dem ständigen Wandel anwendungsorientierten Wissens gerecht zu werden. Ein Universitätsstudium bildet allerdings keine Qualifikation mehr für eine lebenslange Berufstätigkeit wie das bei früheren Generationen der Fall war.

Die Erfordernisse von Delta Studien werden sowohl in der Realwirtschaft wie auch in eher peripheren Bereichen der Ökonomie, etwa der Finanzwirtschaft, erkannt. Das gilt einmal mehr für Länder aus denen neue Entwicklungen kommen. Neben einer Kenntnis von Innovationen selbst, ist es deshalb vonnöten, den Umgang mit neuen Kenntnissen in diesen Ländern zu kennen und ebenfalls das Bildungswesen und seinen Umgang mit Neuerungen zu betrachten. In einigen wichtigen Bereichen ist hier Westeuropa nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Fälschlich wäre es nun, Hochmut walten zu lassen. Schließlich sind die meisten Staaten marktwirtschaftlich organisiert, d.h. die Konsumenten entscheiden, ob Neuerungen sinnvoll sind oder nicht. Die Konsumenten entscheiden auch darüber, ob der Nutzen einer Innovation einen akzeptablen Preis hat. Von Bürgern wird oft die Forderung erhoben, man solle doch im eigenen Land produzieren, treten sie dann als Verbraucher auf, so bevorzugen sie aber das preisgünstigste Angebot. Ihnen wird dabei kaum bewusst, dass sie allein die Verlagerung von Produktionsstätten bestimmen. Und nicht die tätigen Unternehmen, die sich lediglich nach dem Konsumentenverhalten ausrichten müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Veränderungen und Innovationen noch vor der Markteinführung zu erkennen sind das Grunderfordernis für Delta Studien. Die mittelständische Wirtschaft ist die größte Quelle technischer Veränderungen. Sie ist durch ihre Nähe zu den Konsumenten am ehesten in der Lage, die Akzeptanz von Veränderungen einschätzen zu können. In der Kenntnis des Wandels des Konsumentenverhaltens liegt dann auch der Schlüssel, Anpassungsfortbildungen zu konzipieren. Delta Studien durchführen zu können, setzt qualitative Prüfungen der Innovationen hinsichtlich ihrer Machbarkeit voraus.

Die Notwendigkeit zur anpassenden Fortbildung erkennen Unternehmen und die öffentliche Verwaltung meist von selbst, etwa an ihren nicht mehr zeitgemäßen Produkten, ihrem Bild in der Öffentlichkeit oder den Organisationsabläufen. Häufig wissen sie auch wie dem zu begegnen ist. Einzig über die Einbindung ihrer Mitarbeiter in neue Erfordernisse bestehen Zweifel. Hier orientiert man sich an den alten Daten aus der Personalbeschaffung und sieht oft keine Möglichkeit, Innovationen auf vorhandenes Personal übertragen zu können. Als alternativ werden Freisetzungen gegen Neueinstellungen abgewogen.